im nomadenjahr - point alpha

Point Alpha in der Thüringer Rhön

Point Alpha, die Gedenkstätte im Zentrum der ehemaligen Nato-Verteidigungslinie "Fulda Gap" hat mich wirklich beeindruckt. Hier, an der Grenze von Thüringen und Hessen, standen sich Nato und Warschauer Pakt gegenüber und manchmal hätte nicht viel gefehlt, um genau an dieser Stelle den Kalten Krieg eskalieren zu lassen. Man sollte sich nicht von den etwas hässlichen blauen Gebäuden täuschen lassen, die dort scheinbar einsam in der Gegend stehen - in den Häusern dokumentiert eine Dauerausstellung das hirnrissige Grenzregime der DDR - aber um den ehemaligen US-Beobachtungspunkt herum sind alte Grenzsicherungsanlagen aufgebaut samt Grenzturm auf ostdeutscher Seite und das ist wirklich interessant. Mit einer spannenden Führung wie wir sie hatten, erfährt man dann nicht nur viel über die Entstehung der Grenze, sondern auch über gescheiterte Fluchtversuche, den Todesstreifen und die Sicherungsmaßnahmen der DDR - ich habe mich keine Sekunde gelangweilt. Apropos Sicherungsmaßnahmen: Die Grenzzäune dienten ja angeblich zum Schutz vor dem Klassenfeind, die Muttern der Schrauben des Grenzzaunes waren jedoch nach Westen angebracht - ein Leichtes sie von dort zu öffnen und einzudringen...

Noch ein Ausflug in die Vergangenheit: Im Keltenhotel in Sünna kann man bequem nächtigen oder im Keltendorf ein Häuschen anmieten, um etwa mit einer Schulklasse das Lager aufzuschlagen, sich in Felle zu hüllen und wie die alten Kelten aus Tonbechern zu trinken. Das mit den Tonbechern hatten wir auch beim Mittagessen - kulinarisch war es jedoch mit Sicherheit üppiger als zu der Zeit der Kelten.

An Schwarzdornwänden tropft das Salz herab. In weiße Kutten gehüllt schreiten wir durch die 80 Meter langen Wandelgänge des Gradierwerkes Bad Salzungen und lassen die Salzdämpfe auf uns wirken - wir gradieren. Als man irgendwann erkannte, dass die Arbeiter im Salzwerk weniger krank waren, nutzte man die Sole zur Heilung. In historischem Ambiente wird nicht nur inhaliert, sondern auch noch in Sole gebadet, in Fango eingepackt auf Liegen geschwebt und im Sitzen mit Heu bedampft.

Vacha: Hier in Thüringens ältester Stadt teilte die Grenze Hessen und Thüringen  - einmal über die Brücke und man war in "Feindesland". Der Sage nach soll in dieser Brücke ein Kind eingemauert sein, damit sie besser hält - die Empfehlung eines Mönches, naja... Wagt man sich also über diese Brücke steht man vor dem Haus, durch das die Grenze lief, dokumentiert durch den Strich auf der Straße. Man muss sich das mal vorstellen: Du gehst durch eine Zimmertür und bist in der DDR. War natürlich nicht möglich, der Inhaber der Hoßfeldschen Druckerei brachte in der Silvesternacht 1951/52 gerade noch seine Druckmaschinen auf die richtige Seite und mauerte dann die Tür zu. Unser Stadtführer hatte noch mehr Anekdoten auf Lager, wie die der Schreckköpfe, welche am Hauseck montiert als mittelalterliche Überwachungskamera dienten.

Schloss Geisa ist Sitz der Point Alpha Stiftung und hat als solches schon mal hochrangige Persönlichkeiten zu Gast. Auch wir durften dort nächtigen, was mir ehrlich gesagt sehr gefallen hat. Schöne große Zimmer mit hohen Decken, ein Frühstücksraum mit Blick auf die Rhön, rote und blaue Salons in denen das Speisen richtig Laune macht. Wer hier tagt, heiratet oder einfach nur seinen Urlaub verbringt, wird nicht nur den Hauch der Geschichte spüren, sondern sich auch wohlfühlen. Die Stadt Geisa habe ich allerdings nur im Schein der Nachtwächterlampe gesehen: Mit Schnaps und Gesang führte uns der Nachtwächter mit kräftiger Stimme und viel Geschichtlichem durch den historischen Ort.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0