Aufgebrochen und losgezogen bin ich, um zu entdecken, zu staunen und zu finden. In Deutschland und der Welt, in Stadt und Land, da wo nichts zu sein scheint und da wo alles schon ist. Und immer sind es die Menschen, mit ihren Geschichten und ihrer Hingabe an eine Sache, die mich begeistern. Lebendig will ich sein und frei. blog der nomadin


Was von deiner Grenze übrig ist

Der Roadtrip einer Grenzgängerin

Aus dem Dollart, der Meeresbucht bei Emden, gespeist mit Nordseewasser, tauche ich auf. Ich, die Grenze, mache mich auf den Weg um mein Land. Deutschland umreiße ich in Google Maps nur noch als eine gezackte schwarze Linie auf der Karte. Für neun Staaten war ich wichtig, wer mich überqueren wollte, musste sich ausweisen und kontrollieren lassen. Übrig geblieben sind quadratisch blaue Schilder mit Sternenkranz und der Hinweis, etwas langsamer zu fahren. Es muss mehr von mir zu finden sein - jenseits der schwarzen Linie. Die Schranken sind nicht mehr da, aber vielleicht sind sie noch in den Köpfen der Menschen. 

Ich ziehe mich in südlicher Richtung entlang der Niederlande. Vor mir liegen 567 Kilometer, dann werde ich auf die belgische Grenze stoßen. Mein erster Stopp ist eine Shell-Tankstelle im niederländischen De Lutte. Sie liegt direkt an der A1; Bad Bentheim auf der deutschen Seite ist nur zwanzig Autominuten entfernt. An den Zapfsäulen stehen fünf LKWs in einer Reihe. Im Verkaufsraum: Koffein-Türme auf Paletten bis fast an die Decke...  mehr lesen   

heimat


Heimat. Was ist das, die Heimat? Ist dieses Wort an Menschen, Orte oder Gefühle gebunden? Lässt es sich überhaupt in Worte fassen?

Ein Versuch.

Am Ende meines zweiten Nomadenjahres habe ich einen Stopp in meiner Geburtsstadt Hannover eingelegt. Vielleicht um dem Heimatgefühl nachzuspüren, vielleicht aber auch nur, um zu schauen, wie es jetzt dort aussieht. Als ich vor dem Haus meiner Oma in der Manekestraße stehe, wird mir plötzlich bewusst, was schon lange klar war: Hier ist meine Heimat. Mit diesem Ort verbinde ich meine schönsten Kindheitserinnerungen. Die Tüte Gummibärchen auf dem Kopfkissen, wenn ich in den Sommerferien zu ihr kam, die zwei Klappräder, eines weiß, eines gelb, mit denen meine Oma und ich ins Freibad radelten, die Käsestangen zum Frühstück vom Bäcker Piper an der Ecke, den Kochfisch mit Senfsoße am Sonntag mittag. Jedes Mal, wenn ich irgendwo auf der Welt Tauben gurren höre, muss ich daran denken, wie ich von meinem Fenster aus die gurrenden Tauben in der Tanne beobachtet habe. Jede Ferien waren wir bei der Oma, oft vier Mal im Jahr. Das waren die glücklichsten Zeiten meiner Kindheit. Für mich trifft alles drei zu: Heimat ist ein Ort,  ein Mensch und ein Gefühl, aber vor allem unvergessliche Kindheitserinnerungen


sehnsucht

Sehnsuchtsorte. Gibt es Orte, an die es uns immer wieder zieht? Wie muss ein Sehnsuchtsort beschaffen sein? Sind es Menschen oder Räume, welche die Sehnsucht entstehen lassen?

menschen


Wie wohnen Menschen? Warum leben sie in Hochhäusern, Zelten oder Bauwagen?

 

Heike Pallokat hat sich für ein Leben im Bauwagen entscheiden. Nein, nicht entschieden, denn der blaue Wagen hat sie gefunden. Die acht Meter lange Behausung mit den hellblauen Fensterläden war einst eine Datscha und ein zweites Zuhause für ein älteres Ehepaar. Bei der Übergabe haben alle geweint.  Für Heike ist die Natur eine Mutter und dieses unmittelbare Leben in und mit ihr so wichtig für sie. Strom hat sie, einen Holzofen und eine Waschgelegenheit. Alles was sie braucht. Im Sommer verlegt sie die Küche nach draußen. Sie riecht die Elbe und nimmt die Jahreszeiten wahr. Sie tanzt und spielt Theater, liebt ihre Söhne, ihren Hund und das freie Leben. Jeden Morgen springt sie auf dem Trampolin bevor sie in ihren kleinen Fischladen nach Hitzacker fährt.


zuhause

Angekommen. Für eine Zeit lang. Doch dieses Mal länger und mit einem Raum für das eigene Haben. Die Nomadin wird sesshaft. Das Umherziehen macht müde, wenn es keinen festen Ort zum Ausruhen gibt. Zwei Jahre lang habe ich das Nomadentum gelebt und möchte diese Zeit nicht missen, denn sie war bewegendberauschend und inspirierend. Das Umherziehen werde ich auch in Zukunft nicht lassen können, zu groß ist meine Neugier auf die Welt, zu spannend sind die Geschichten, die es zu entdecken gibt. Doch dafür brauche ich ein Zuhause, wo Vertrautes mich empfängt und Menschen sind, die mich erwarten. Ich  suche nach einem Bild für "Zuhause", ein Bild, das alles sagt. Worte dafür zu finden ist leichter. Ich stelle mir Fragen: Muss das Zuhause ein Ort seinbedingt es ein Dach über dem Kopf? Ist es der Bäcker, bei dem ich meine Lieblingscroissants hole, die Gewohnheiten, die ich nur an diesem Ort so pflegen kann? Noch habe keine endgültige Antworten auf meine Fragen, aber dafür eine Erkenntnis aus diesen zwei Jahren Nomadentum gewonnen: Zuhause ist ein Gefühl von ankommen und bleiben wollen, von vertraut und verstanden sein, von Freiheit und Sichselbstsein.