im nomadenjahr - von königen und kirschen

Auf der Suche nach dem schönsten Strandhaus bin ich gleich zwei Mal fündig geworden: In Nordenhuse und in Dinestrup stehen so richtig nette Häuschen. Als ich in Nordenhuse ankomme reißen die Wolken auf und das Meer färbt sich türkis. Auf den Badestegen toben Kinder ansonsten ist der Strand komplett leer - Idylle pur. Etwas erhöht trohnt da dieses Haus: Von der Terrasse aus schaut man aufs Meer. Jetzt weiß ich warum Kerteminde "Garten am Meer" genannt wird. Ich fahre weiter an der Küste entlang und komme nach Dinestrup - wer sich hier ein Ferienhäuschen mieten kann, hat es geschafft. Von der Klippe schau ich hinunter zum Strand: Eine Bilderbuchfrau spielt mit ihrem Bilderbuchhund und die Bilderbuchkinder bauen Sandburgen - das Leben kann so schön sein.

Auf dem Weg weiter in den Süden nach Nyborg muss ich stoppen - kaum zu glauben, hier sieht es aus wie in der Toskana.

Das Schloss Nyborg war im 14. Jahrhundert Zentrum der königlichen Macht in Dänemark und Nyborg damals so etwas wie die  Hauptstadt Dänemarks. Wenn ich Mattias nicht als Führer gehabt hätte, wäre ich wohl enttäuscht wieder weggefahren, denn leider ist nicht mehr viel von der einstigen Pracht übrig geblieben. Von der ehemaligen Wehranlage mit mehreren Gebäuden, Wällen und Türmen steht nur noch das Hauptgebäude. Auch innen ist durch Krieg und Räuberei nicht mehr viel vorhanden, allein die für die Renaissancezeit charakteristische Wandbemalung zeugt noch von der Vergangenheit als Regierungssitz der Könige.  Kaum vorstellbar, dass hier unter Christinan III prunkvoll Hof gehalten wurde. Immer wieder wurde das Schloss rechts und links erweitert, denn man brauchte Platz: Wenn die königliche Familie sich ankündigte, kamen da mal locker 300 Leute zusammen, welche bis ins Dach untergebracht werden mussten. Doch jetzt wird das Schloss wieder auf den alten Grundrissen mit moderner Architektur neu aufgebaut:. Wechselnde Ausstellungen, Konzerte und Theateraufführungen sollen dann diesen Ort wieder in die Nähe dessen bringen, was er einmal war. Ich habe die Pläne gesehen und das sieht wirklich gut aus. Mattias führt mich übers Gelände, welches heute ein schöner Erholungspark ist. Das Schloss ist von Wasser umgeben und an den Flussläufen haben Menschen ihre Ferienhäuschen. Wir gehen durch die Stadt an der Kirche vorbei Richtung Hafen und dann ins Stadtmuseum. Hier wird gerade renoviert. Ein neues Konzept soll das Museum erlebbar machen: In den neu gestalteten Räumen soll unter anderem mit alten Gerätschaften gekocht und gebacken werden. In der unteren Etage werden Workshops zum Nähen mittelalterlicher Kostüme angeboten und das Kleid der Königin Margret wartet darauf getragen zu werden. Auf einen Tip von Mattias hin gehe ich noch auf ein Sandwich zu "Den gode Smag" - Ich kann gar nicht aufhören zu essen, weil es so gut schmeckt.

Kirschen pflücken mit Karl und 38 anderen freiwilligen Helfern: Auf der "Nybro Frugtplantage" von Thomas und Tina trudeln abends um sieben die Pflücker ein. Wieder sind es die "Turismens Venner", die Freunde des Tourismus, welche sich aus lauter Spaß an der Freud' hier treffen. Wir sollen idealerweise 800 Kilo Kirschen pflücken, welche morgen am Kirsaebaerfestival in Kerteminde verschenkt und verkauft werden. Thomas bittet scherzhaft zu Beginn darum nur die dunklen Kirschen zu pflücken und ständig zu pfeifen, damit er weiß, dass wir nicht zu viele Kirschen essen. Ich esse trotzdem viel zu viel. Sie sind jetzt schon reif, weil sie unter der Plastikfolie so schön dunkelrot und süß werden konnten. Die dunkelsten sind wie immer ganz oben und auch wenn die Bäume niedrig sind, komme ich da beim besten Willen nicht dran - leider. Zum Schluss gibt es für die Helfer Kaffee und Kuchen. Thomas ist mit unserer Ausbeute zufrieden und gibt jedem zwei Schalen Kirschen mit auf den Weg nach Hause.

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