im nomadenjahr - drei länder in drei tagen

"Frankfurt, 15 Uhr, die Häuser kratzen am Himmel, das Hotel mittendrin. Perfekter Luxus - genau richtig für eine Nacht." Als wir unser Hotelzimmer im "Jumeirah" bezogen haben wollen wir eigentlich nicht mehr da weg. Also weiter Luxus intravenös im hoteleigenen Restaurant - als ich die Trüffeltagliatelle auf der Karte sehe, ist es um mich geschehen. In der Stadt ist die Hölle los, ein Fest, und wir kommen zu spät zum Jazzkonzert. Ok, dann am Main entlang schlendern, flanieren und die Lichter in den Wolkenkratzern bestaunen. Ein Absacker in den Ledersesseln der Hotelbar, dann vom Zimmer diesen wahnsinnigen Blick auf die Skyline genießen. Morgens gibt es Sky-Honig von den Bienen auf dem Hoteldach. Ein letzter Blick auf die Stadt, dann geht es weiter nach Erfurt - das Waid wartet.

"Ankunft Erfurt 14 Uhr, beschauliche Stadt, es ist sonnig und warm. Perfektes Fotowetter - das Fotografenherz lacht." Der Männer-Wartesessel steht vor der Gläsernen Werkstatt, im mechanischen Theater "Theatrum Mundi" öffnet wieder einmal die Puppe ihr Spiel nachdem die Münze eingeworfen wurde und der Eiskrämer reicht mir den Brückentrüffel über die Theke - ich bin auf der Krämerbrücke. Vom Dach der Nikolaikirche aus gesehen zieht sie sich als Häuserband  entlang. Einmal rundum und man hat Erfurt von oben gesehen. Wieder unten werfe ich noch einen Blick in den Laden von Rosanna Minelli: Sie hat das "Erfurter Blau" wieder entdeckt. 

Ich besuche die Frau, welche mit der Waidpflanze färbt, in ihrem Wohnwagen nahe dem Waidfeld. Dort wird aus den Blättern der Farbstoff extrahiert, der dieses wunderbare Blau schafft. Ich halte erst am falschen Feld und denke noch: Was für ein schöner gelber Streifen da nebenan, die Pflanze kenn ich gar nicht - später steht Rosanna Minelli genau in dieser gelben Fülle und lässt das blaue Band vor Schäfchenwolken flattern. Schon im Mittelalter färbte man mit dem Färberwaid - die Restauratorin forschte und kultivierte die Pflanze wieder in der alten Heimat.    www.erfurter-blau.de

"Weiterfahrt nach Würzburg, Brückenschoppen mit Blick auf die Marienburg. Perfektes Timing - und eiskalter Sivaner im Stehen. " Es regnet ein wenig, wir verschieben die Nachtwächter-führung auf 21 Uhr - keine gute Idee, es regnet wieder in Strömen. Doch mitgefangen, mitgegangen retten wir uns von Dach zu Dach und lassen die dann noch wirklich amüsante Führung und den Abend bei einem Glas Wein im "Maulaffenbäck" ausklingen. Am nächsten Morgen erster Kaffee im Bett, dann sehr gutes Frühstücksbüffet im Domcafé. Dort beobachten wir bequem den Aufmarsch des Kartellverbands katholischer deutscher Studentenvereine. Die Säbel klirren und man lässt bunte Fahnen schwingen, bevor es zum Gottesdienst in den Dom geht. Wir ziehen lieber weiter in die Sonne und zum Schloss - imposant und unvermutet in Würzburg. Drei Bundesländer in drei Tagen - und im Zickzack durchs Nomadenjahr.

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