im nomadenjahr - veldenz wanderweg

Der Veldenz Wanderweg, " Leading Quality Trail of Europe" - und nur wenige kennen ihn. 62,5 km durch die Nordwestpfalz in fünf Tagesetappen. Wir wollen ihn in drei Tagen reißen.

 

Erste Etappe: BurgLichtenberg - Rathsweiler. Länge 16,8km, 512m Aufstieg, 702m Abstieg. 

 

Ein letzter Kaffee bei Uschi im Brotladen in Thallichtenberg. Uschi kennt jeden und ist um keine Antwort verlegen. Bei ihr trifft sich alles, Samstag morgens um 9 Uhr. Unser Wanderoutfit lässt Fragen aufkommen - wer macht hier schon den Veldenzweg? Aber das wir so einsam auf weiter Strecke sind, erkennen wir erst viele Kilometer weiter... Wir suchen das Eingangstor zum Weg, welches wohl eher im übertragenen Sinne beschrieben wurde und entscheiden uns für den Marterpfahl mit der weißen Krone auf blauem Grund - dieses Symbol wird uns nun den Weg weisen. Es nieselt, ist kalt, 7 Grad Ende April, na ja. Nicht gerade ideales Wanderwetter, aber wie heißt es immer so schön: "Es gibt kein schlechtes Wetter, nur..." Also denn los. Ausgeschildert ist der Weg prächtig - an jedem fünften Baum ein Zeichen - wer sich hier verläuft ist selber schuld. Es geht gleich mal hoch zur Aussicht, die allerdings bei dem Wetter nicht so prickelnd ist, dann wieder hinab nach Ruthweiler. Ich lese schon mal die ersten Highlights am Wege nach: Fritz Wunderlich, einst ein berühmter Tenor hat in Kusel das Licht der Welt erblickt und ein Stück weiter in Blaubach hat Miroslav Klose den Fussballrasen das erste Mal geküsst. So weit so gut. Mich fasziniert dieses satte Hellgrün der Blätter eigentlich mehr, im Regen kommt es noch viel mehr raus - ich könnte grad reinbeißen wie in einen saftigen Apfel. Es geht weiter auf und nieder, immer wieder, denn das Pfälzer Bergland heißt nicht umsonst so. Wirklich schöne Aussichten über das weite Land - wenn die Wolken nicht wären. Wir suchen in Erdesbach das beschriebene Dorfcafé für eine Pause zum Aufwärmen, ist aber nix ausgeschildert. Die Ziegenkäserei sieht nett aus, ist aber zu.  Wer will, kann hier auch Esel chartern, sie mit Kindern Gepäck, etc. beladen und mit ihnen wandern. Wir aber haben nur unsere Füße. Also weiter. Vorbei am Militärgelände (Sperrgebiet, Lebensgefahr, scharfe Munition!) geht es rauf zum Wartekopf. Die Hochebene sieht fast aus wie in der Heide, durch die Regennebel hat es dort jetzt eine ganz besondere Stimmung. Wir nehmen den Zuweg nach Ulmet ins Tal hinab, 1,2 km zum "Felschbacher Hof", unsere 4-Sterne-Herberge für die kommende Nacht. Mitten im Wald ein Wellnesshotel und das dort, wo in den verschlafenen kleinen Nestern der Westpfalz oft nicht mal eine Gaststätte zu finden ist. Einen Grog (mit Strohrum) an der Hotelbar, dann rundum-sorglos-saunieren, auf der Terrasse ausdampfen,  duschen und dann lecker essen - so macht wandern Spaß.

Kleiner Tip am Rande: Im Restaurant sollte man vorbestellen, wenn man sich abends stärken will. Das Hotel wird auch gern für Tagungen genutzt, da können schon ein paar Leute zusammenkommen, die auch essen wollen.


Tag zwei: Rathsweiler - Reckweiler Hof,  Etappe 4 und 5, 24 km und 775 m Aufstieg gesamt.

 

Eigentlich hieß es ja Abkürzung nach Ulmet, doch letztendlich steigen wir die 1,2km wieder hinauf zum Wartekopf und dann gehts erst weiter nach Rathsweiler, denn dort gab es keine Unterkunft. Aber der Felschbachhof und sein super Bio- Frühstück waren den Umweg auf jeden Fall wert.  Der Rückweg kommt einem auch viel kürzer vor und oben werden wir lange Zeit mit tollen Aussichten auf das Glantal belohnt. Das Wetter scheint irgendwie besser zu werden und auf teilweise schmalen Pfaden geht es am Quecksilberstollen (Mist keine Taschenlampe dabei, grober Fehler!) durch den Wald. Da stehen plötzlich vier Wirtshausstühle als Bank: "Wer gut sitzt, der rücke nicht." steht darauf - die Pfälzer kommen echt auf Ideen.  Über Wiesen geht es weiter, hinauf, hinab, am Fluß entlang, bei der Töpferin quer durch den Hof nach Niederalpen - der Mittagsfels ruft. Jetzt gehts richtig steil auffi. Ich versuche mich mit der Suche nach der seltenen Küchenschelle abzulenken, aber ich glaube, die ist noch im Winterschlaf und so steige ich wacker weiter. Oben angekommen reißt doch tatsächlich kurz die Sonne auf und wir machen Rast an der "Schönen Aussicht". Der Name ist Programm, hier hat man wirklich einen tollen Blick auf Steinalptal und Glantal. Dann kommt der Graupel und treibt uns weiter auf einen schönen Kammweg der Höhe entlang, rechts gehts ganz schön steil bergab. Rapsfelder soweit das Auge reicht, grüne Wiesen wie in den Alpen und die unterschiedlichsten Jägerstände sind zu sehen, von der Marke Eigenbau aus Kisten bis zum kleinen Haus auf Stelzen. Die letzten 4,8 km ziehen sich, der Zuweg zum Reckweilerhof sind nochmal 1,8km on top - insgesamt werden wir wohl am Ende 70km in den Füßen haben. Dann sind wir beim Reckweilerhof - einfache Küche und Zimmer, aber ok. Essen, umfallen, Tatort schauen, Füße ausstrecken, schlafen - jaah!


Tag drei: Reckweilerhof - Lauterecken, Etappe 4 und 5, 24,9km und 733m Aufstieg gesamt.

 

Das Stück an der Straße entlang vom Reckweilerhof weg zurück zum Veldenzweg ist nicht so doll, überhaupt haben wir auch später noch einige entlang-der-Straße-Passagen. Das Wetter ist wieder schlechter und noch kälter. Ich denke immer wieder, das es echt schön sein muss, den Weg im Sommer zu machen, denn er lohnt sich allemal. Auch diese Etappe ist sehr abwechslungsreich, mal durch Wiesen, mal im Wald, auf alten Römerstraßen entlang und durch viele Ortschaften. Manchmal wünschte ich mir, dass die angepriesenen Sehenswürdigkeiten, wie z.B. das umgebaute Haus des Künstlers Gottfried Bräunling in Hohenöllen, besser ausgeschildert werden, denn so habe ich wohl nur ein einzelnes Werk von ihm entdeckt. Aber dafür gibt es in dem kleinen Dorf noch richtig Altes und kreativ gestaltete Hauseingänge zu entdecken. Wir durchqueren eine Kuhweide mit Gatter auf und zu machen, hopsen über die Steine der Lauter (im Sommer ein höchst idyllischer Ort zum Füße kühlen) und erreichen den Hobstätter Hof. An weiß gestrichenen Gattern und einem geschlossenen Pferdestall-Saloon (das hätte unsere Einkehr sein sollen) vorbei, sehen wir jede Menge Kühe, Pferde, Esel und Lamas. Aber es lockt ja noch der Ausbacher Hof, unser nächstes Zwischenziel. Die groß ausgeschriebene Vesperstube hat nur mittwochs mittags ein paar Stunden offen, das ist vielleicht im Sommer anders, war aber auch irgendwie für uns nicht so gut. Gerettet hat uns dann Frau Pfleger vom Naturkostladen nebenan. Sie hat extra länger für uns offen gelassen, uns mit vielen nützlichen Informationen und warmen Kaffee versorgt und wir durften uns in ihrer Vesperstube wärmen. Mit Heublumenkäse, Emmerichbrot und Stärkungssaft war das ein echter Gewinn für unsern Magen und die kalten Hände. Der Vesperstube angeschlossen ist auch eine Veranda - dort fängt sie die Wanderer auf, die von der geschlossenen Vesperstube aus auf dem Veldenzweg weiter laufen. Rauf und runter, wir kennen das ja schon, kommen wir nach Reipoltskirchen. Da geht es dann über Treppen hinauf zum Skulpturenweg, der am Wald entlang bis zur Wasserburg führt. Durch die bunten Kunstwerke mit Animationsmöglichkeiten kommt auch die Kultur nicht zu kurz auf dem Weg und auch die Wasserburg kann sich sehen lassen. Letzte Steigung und wenn die Wolken nicht wären eine fantastische Aussicht über das Pfälzer Bergland. Hier fehlen wieder einmal, wie so oft auf diesem Weg, sämtliche Zivilisationsgeräusche und man wird auch selber ganz still. In Lauterecken angekommen gönne ich mir im Stadtcafé eine fette Crème Brulée- Torte und wir fahren über Kusel bequem mit dem Bus zurück zur Burg Lichtenberg.

Ich für meinen Teil war angenehm überrascht von diesem Weg. Auch in den verkürzten drei Etappen war er gut zu schaffen. Leider fehlen ein wenig die Übernachtungsmöglichkeiten, wenn man die fünf Etappen geht und auch die aufmunternden kulinarischen Stopps zwischendurch. Dafür hat man wirklich eine wunderschöne Fernsicht, großartige weite Blicke übers Land und durch das ständige Auf und Ab durch ganz unterschiedliche Landstriche viel Abwechslung und immer die Spannung, was wohl als Nächstes kommen mag.                                        www.pfaelzerbergland.de

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