im nomadenjahr - die huskys sind los

Schlittenhunderennen in Thüringen: An diesem Wochenende werden in Frauenwald am Rennsteig die reinrassigen Sibirian und Alaskan Huskys, die Malamuts, Samojeden und Grönländer vor den Schlitten gespannt. Dann rennen 1000 Hunde an zwei Renntagen mit heraushängender Zunge durch den Thüringer Wald und geben alles. In Frauenwald fanden schon Europa- und Weltmeisterschaften statt. Gerade letztes Jahr sollte hier die Weltmeisterschaft starten und dann wurde sie aus Schneemangel abgesagt - echtes Pech für die Veranstalter. Dafür herrschen dieses Jahr ideale Bedingungen. Als ich am Freitag Abend zur Fackelwanderung und Suppennacht nach Frauenwald komme, liegt noch alles im Winterschlaf. Plötzlich, kurz vor halb sechs, füllt sich der Platz des Friedens mit Menschen und brennenden Fackeln. Der Zug bewegt sich durch den Ort auf das Sportgelände zu und kommt in den grün und rosa illuminierten Wald. Die Feuerstellen brennen, die Suppenkessel qualmen - jetzt wird das Internationale Schlittenhunderennen mit der Suppennacht eröffnet. Hexensuppe, Süsskartoffelsuppe, Erbsensuppe, Wirsingfleischsuppe - ich gehe von Kessel zu Kessel und entscheide mich für die Thüringer Waldpilzsuppe. Und dann erschallt auf die Melodie von "Ich war noch niemals in Paris" die Hymne des Rennens: "Ist Dir Alaska zu weit weg und ist der Nordpol Dir zu kalt, dann komm zu uns, dann komm zu uns nach Frauenwald." 

Können diese Augen lügen? Sie haben wirklich wunderschöne Augen, diese Hunde, stahlblau oder zweifarbig, blau und braun schauen sie mich an. Ich sehe alle möglichen Variationen von Huskys, alle Färbungen, mit Gesichtsmaske und ohne. Die kräftigen Malamuts sitzen meist etwas ruhiger da, aber ansonsten ist das hier ein wildes Treiben. Die Hunde bellen und jaulen, ziehen am Strick, sind aufgeregt und wollen jetzt nur noch Eines: Rennen!

Die Sonne kommt raus und - es geht los! Um zehn Uhr stehen die ersten Musher mit ihren Gespannen am Start. 100 Hundeschlittenführer aus zehn Ländern starten  beim 22. Rennen in Frauenwald. Es ist nicht immer einfach, die Hunde unter Kontrolle zu bringen, meist helfen noch zwei Leute mit, welche die Leithunde zum Start führen. Bis zu 25km/h haben die Gespanne dann drauf, je nach Hundeanzahl. Ich sehe einen Hund, der den Mensch auf Skiern zieht bis zum Gespann mit zwölf Hunden und Schlitten. Wenn die offene Klasse starten darf, können eigentlich unbegrenzt Hunde angespannt werden. Und da kommt dann richtig Power auf die Strecke. Von fünf bis 21 km gilt es hier unterschiedlichste Streckenlängen zu bewältigen." Der Musher muss genauso gut trainiert sein, wie seine Hunde" höre ich. Das ist wohl wahr: Bergauf muss er oft mithelfen, damit die Hunde die Steigung schaffen und da gibt es hier einige im Thüringer Wald. Auch in den Kurven muss er sich mächtig reinlegen, sonst haut es den Schlitten aus der Bahn - das ist nicht nur einmal passiert. Unter Umständen werden dann die Zuschauer auch mal kurz zum unfreiwilligen Helfer, um das Gespann wieder in die Spur zu bringen.

Nach dem Rennen ist Ausruhen und Streicheln angesagt. Dann werden die Hunde im Stake out von ihren Führern versorgt und von den Besuchern verwöhnt. Für Kinder muss das ein echtes Erlebnis sein, denn sie können ganz nah an manche Hunde. Jeder Hund hat einen ganz eigenen Charakter, daher weiß der Musher am besten, welcher Hund in die Nähe von Kindern darf.

Musher-Kurs bei Familie Kraft: Bei Familie Kraft in Tambach-Dietharz kann man selber einmal Hundeschlittenführer sein und mit drei oder vier Hunden vor dem Schlitten durch den verschneiten Thüringer Wald brausen. Die Hunde sind heute schon das dritte Mal unterwegs, kennen die Strecke und sind schon etwas müde, so dass der Hundeschlittenführer am Berg gefordert wird und mithelfen muss. Dafür geht es später auch wieder bergab und da machen die Hunde dann richtig Tempo. Die Gummimatte hilft dabei beim Bremsen und das Körpergewicht beim Steuern in den Kurven. Julia Kraft hilft dem Papa und führt die Truppe von drei Schlitten mit Husky und auf Skiern an. Leider hat die Sonne diese Ecke nicht mehr erreicht und so ist es neblig und wird immer dunkler. Wir sind etwa eine Stunde unterwegs und nicht nur die Kinder, die im Schlitten sitzen durften, hatten Spaß. Doch für die Hunde ist der Tag noch nicht zu Ende, sie müssen noch einmal ran: Zur Mondscheinfahrt durch den Wald und die Nacht.

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Kommentare: 1
  • #1

    Susanne (Montag, 13 Februar 2017 18:03)

    Wow, sehen die Hunde toll aus. Super Bilder hast Du gemacht!! �