Kullaleden - 70km Trail in Schweden

Kullaleden-Trail

Er ist einer der zwölf Leading Quality Trails in Europa und liegt im Süden Schwedens - der Wanderweg Kullaleden. Der Trail ist Teil des Skaneleden SL5, 70km lang und führt um die Halbinsel Kullen.  Nach dem Veldenzweg in der Pfalz und der Oberpfälzer Zeugenbergrunde geht es nun für uns zum Etappen-Wandern in den Norden Europas. Die Anreise nach Helsingborg, dem Ausgangspunkt des Weges, ist nicht so einfach, denn es gibt mehrere Möglichkeiten. Wir entscheiden uns für die lange Autofahrt, denn schließlich ist der Weg das Ziel und alles Andere erscheint uns umständlich. Also erst die Fähre ab Fehmarn, dann durch Dänemark, um dann via Tunnel und Brücke den Öresund zu überqueren -  dann sind wir in Schweden.

In Helsingborg angekommen checken wir im Hotel Kärnan ein, es liegt ziemlich zentral in der Nähe von Rathaus, Bahnhof und Hafen. Das Auto muss für die Zeit unserer Wanderung irgendwo geparkt werden - eine günstige Möglichkeit ist der Parkplatz an der Marina. Dort bezahlen wir für drei Tage gerade mal 12 Euro. Dann realisiere ich einen Vorschlag meines "Reiseführer des Zufalls" und fotografiere eine Sehenswürdigkeit mit dem Rücken zu ihr. Wir schlendern an den Hafen, essen ein teures Mini-Smörebröd mit Laks im Tivoli und suchen den Ausgangspunkt des Kullaleden-Wegs. Dazu steigen wir eine Menge Stufen nach oben zum Turm Kärnan der ehemaligen Befestigungsanlage. Oben angekommen haben wir einen fantastischen Blick über die Stadt und den Öresund. Unter uns sitzen blonde aufgebrezelte Schwedinnen und ihre Begleiter in den Bars der Stadt und feiern. Oben, bei uns im Park üben Feuerschlucker und Grüppchen junger Schweden picknicken unter duftenden Bäumen - eine schöne Stimmung an diesem lauen Sommerabend. Hier wird es später dunkel und so finden wir auch den Startpunkt vom Kullaleden in der Dämmerung. Hier geht es also morgen los - ich bin so gespannt!

Etappe Eins:

Helsingborg - Strandbaden

25,7km

 

Vorgeschlagen werden sechs Etappen - wir wollen den Weg natürlich wieder in der Hälfte reißen, was bedeutet, jeden Tag etwa 25km zu laufen. Die Kullaleden-Eatappen werden als leicht bis mittelschwer beschreiben, das sollte also zu schaffen sein. Ab jetzt folge ich dem orangefarbenen Quadrat und dem Mann mit dem orangefarbenen Rucksack - Rob hat auch die Begeisterung fürs Etappen-Wandern gepackt. Auf der Landsborgpromenade geht es oberhalb der Stadt los, immer hinauf und hinab durch viel Grün. Runter zur Sofienquelle, wieder hinauf durch den Vikingsberg-Park mit  gleichnamiger Villa, wieder runter und wieder rauf mit Blick auf den Öresund und an einem alten reetgedeckten Haus vorbei. Dann, nach einem nicht ganz falschen Abbiegen erreichen wir Schloss Sofiero.

Die ehemalige Sommerresidenz des schwedischen Königs liegt inmitten einer riesigen und wohl sehenswerten Parkanlage, die 2010 zur schönsten Europas gekürt wurde. Leider kann ich das nicht überprüfen, denn es geht weiter für uns, hinab zum Meer und dem Dorf Hittarp. Der Weg ist sehr gut ausgeschildert, es braucht keine Karte, um sich hier zu orientieren. Die orangefarbenen Symbole sind von weitem zu erkennen, allerdings sollte man trotzdem immer wachsam sein.

Der Weg führt immer an der Küste entlang, an windschiefen Strandhütten vorbei durch duftende Heckenrosenmeere und grüne Pinienwälder. Immer wieder begegnen uns die ehemaligen Bunkeranlagen entlang der Küste, die zum Teil mit Keramik und Graffiti verziert sind. Erste Pause vor Domsten. Wir sitzen auf der Bank und hören plötzlich Kanonenschüsse von der dänischen Küste her. Vor uns ein Schwan auf Nahrungssuche und wir zählen die Schüsse...zwanzig, dann ist es wieder still. Leider war die Brotzeit etwas zu früh angesetzt, denn in Domsten gibt es eine nette Fischhütte, wo man prima rasten kann. Aber egal, ein Lachsfilet mit Kartoffelsalat passt immer noch rein.

Auf dem Weg nach Viken wird per Hinweisschild auf Seehunde hingewiesen und tatsächlich: Mit dem Fernrohr sehe ich sie auf einer Sandbank liegen. Viken ist ein hübsches kleines Dorf mit beneidenswert nah am Meer gebauten Häusern. Der Baustil der Häuser ist hier recht unterschiedlich, die rot-weißen Bullerbü-Häuser tauchen nur vereinzelt auf. Auf der Höhe von Lerberget verläuft der Weg im Sand, wir ziehen die Schuhe aus und kühlen barfuss laufend die Füße mit Meerwasser. Bald ist Höganas, unser geplantes Etappenziel, in der Ferne zu sehen. Jetzt müssen wir nur noch unser Hotel Bryggan finden... Das Hotel liegt am Hafen, doch es ist niemand vor Ort und als wir anrufen, ist nur der AB dran. Das ist nicht so doll mit müden Füßen. Die Alternative ist das Hotel Örestrand in Strandbaden. Wir haben Glück und ein Zimmer ist frei. Also verlängern wir unsere Etappe um 3,8km. Das Gute daran ist, das unsere Bleibe auf der Kullaleden-Strecke liegt und wir uns das Stück morgen sparen.


Etappe Zwei:

Strandbaden - Arild

24km

 

Ein sonniger aber sehr windiger Morgen im Hotel Örestrand. Die Camper haben alle Mühe, ihre Zelte zusammen zu packen. Unser Frühstück steht im menschenleeren Saal bereit, wir sind zuerst erstaunt, weil niemand da ist. Dann sehen wir unseren gedeckten Tisch für Zwei. Heute gilt es sich besonders zu stärken, denn uns steht die mittelschwere Etappe auf den Kullaberg bevor. An unzähligen Rettungsringen und Picknickbänken mit Blick aufs Meer geht es Richtung Nyhamnsläge entlang, das Wasser stetig zu unserer Linken. Was speziell ist: Der Weg teilt sich, denn es gibt auch eine behindertengerechte Variante, den Kullarulla. Unser Weg verläuft dafür immer auf weichen Wald- und Wiesenpfaden wunderschön an der Küste bis Nyhamnsläge.

Ich folge dem Mann mit dem orangefarbenen Rucksack nach Lerhamn. Dann ein großes Warnschild: Achtung Kühe!!! Dies soll unsere Erste von unzähligen Überquerungen von Kuhweiden sein. Die "gefährlichen" Tiere grasen entspannt einen Kilometer weiter weg. Das Wetter ändert sich ständig, mal scheint die Sonne, dann kommen wieder Wolken und die Jacke wird zugezogen. Nur der Wind, der bleibt. Nach dem Hinweis auf die hier quakende Rotbauchunke, kommen wir noch an der Sammelbriefkastenstelle und den dazugehörigen putzigen Schwedenhäusern vorbei. Ein Abstecher zum "Krapperups borg" verlockt: Das Schloss soll einen schönen Park, eine Kunstgalerie, ein Café und kleine Geschäfte haben. Schweren Herzens ziehen wir weiter - ein Umweg von zweimal 750 Metern ist einfach nicht drin. Dann erreichen wir Mölle

Kullens Fyr - da wollen wir hin. Wir werden auf dem Weg etwa 400hm hinauf machen und etwas mehr als 480hm wieder abwärts. Der Kullaberg ruft. Ganz am Zipfel der Halbinsel liegt er und ist gleichzeitig auch Halbzeit der Strecke für uns. Immer wieder finden sich am  Weg Hinweisschilder, die auf etwas Sehenswertes verweisen. Manchmal sind es Abstecher von 800 Meter ein anderes Mal nur 50 Meter, wie hier in Mölle: Auf dem Stein im Wasser sind die Pegelstände notiert.

Auffi gehts! Und das stetig. Die Klippen werden steiler, die Brandung wilder und manchmal hängt da ein Seil als Hilfestellung. Die Pfade sind felsig, aber sehr schön und die Aussicht aufs Meer atemberaubend. Und ganz oben - ein Golfplatz. Leider haben sich die Wolken gerade bei der schönsten Aussicht vor die Sonne geschoben, aber wir sind ja auch noch nicht ganz oben. Weiter geht es durch Heckenrosen und Wälder.

Ein Blick zurück und der erste Teil ist geschafft. Der Weg schlängelt sich mal durch Wälder, mal am Hang entlang. Schafe haben hier Schönerwohnen und liegen faul im Wäldchen rum. Dann lichtet sich der Wald und wir kommen auf eine Hochebene, hier ist der Leuchtturm schon zu sehen. Doch vor der Gipfelstürmung hangeln wir uns noch mit einem Seil in die Tiefe, in der Hoffnung auf eine spannende Grottenerfahrung. Es ist dann doch nur eine Höhle, die früher wohl von  Schmugglern genutzt wurde, aber dafür hat es sich für den Blick aufs Meer gelohnt. Der Leuchtturm auf dem Kullaberg ist der höchstgelegenste von ganz Schweden mit dem stärksten Lichtsignal. Als wir dort ankommen, bläst uns der Wind fast runter. Wir pausieren kurz in einer windgeschützten Ecke, genießen noch den Ausblick und machen uns dann an den Abstieg.

Der Abstieg und die Josefienlust: Es geht steil hinab und hinauf durch den Wald, ab und zu blitzt das Wasser durch oder wir können von einem Felsvorsprung hinunter schauen. An einer solchen Stelle entdecke ich die Bucht - da will ich hin. Es stellt sich heraus das "meine" Bucht die bekannte "Josefienlust" ist, ein Wunder, dass wir gerade jetzt dort alleine sind. Das Wasser ist kalt, aber tut meinen müden Füßen unheimlich gut.  Ich kann es nicht lassen und packe mir noch einen der schönen Steine ein - mindestens 500g, die ich jetzt noch zusätzlich trage. Diese Etappe hat es wirklich in sich. War die Bezeichnung "mittelschwer" beim Veldenzweg noch ein Spaziergang, hat sie hier in Schweden scheinbar eine andere Bedeutung. Aber die schöne, abwechslungsreiche Wanderung entschädigt für die Beanspruchung. Als mich später zwei Trailläufer im Laufschritt überholen und die Felsen hoch und runter jagen, bleibt mir dann doch die Spucke weg.

Während des Abstiegs nach Arild geht es weiter durch den Wald. Ein See mit blühendem Wollgras liegt links vom Weg. Die Strecke von Djupadal nach Arild ist 6km lang und zieht sich - durch das hügelige Gelände brauchen wir ganz schön lang bis wir Himmelstorp erreichen. Hier sollte laut Beschreibung eigentlich ein Café offen sein, dafür sieht es ganz schön verlassen aus. Immer wieder gibt es entlang des Weges Schutzhütten, die zur Übernachtung eingerichtet sind. Wir haben es da komfortabler: Auf uns wartet ein Bett in Arilds Vingard. Das Örtchen Arild gefällt mir - hübsche Schwedenhäuschen an den Hang gebaut, ein kleiner Hafen, wie überall hier und zahlreiche Picknickplätze am Meer. Meine Hoffnung ist, dass es in unserem Hotel ein Restaurant gibt, denn unsere Verpflegung ist aufgebraucht. Nach 1,5km durch den Ort taucht das Weingut auf: Ich bin gleich begeistert. Die Chefin führt uns mit dem Weinglas in der Hand zu unserem Zimmer, das sich als Minihäuschen mit eigener Terrasse entpuppt.  Das Bett passt gerade hinein und das Bad ist das kleinste Badezimmer, das ich je gesehen habe, aber es ist wunderhübsch hier. Als ich dann noch leckeren Fisch im hauseigenen Restaurant bekomme, bin ich glücklich - so einfach kann das Leben sein!


Etappe Drei:

Arild- Utvälinge

20,1km

 

Der Tag beginnt mit einem schönen Blick aus dem Fenster und einem guten Frühstück. Ich könnte noch mehr essen, weil es noch so viel zu probieren gäbe, aber es passt nichts mehr rein. Wir fragen die Wirtin, ob wir eine Flasche Wein zum Mitnehmen kaufen können, schließlich sind wir auf einem Weingut. Doch sie schüttelt nur bedauernd den Kopf: Alkohol über 3,5% darf in Schweden nicht verkauft werden, ausgeschenkt ja. Die einzigsten Verkaufsstellen sind die "Systembolagets". Dann soll es also nicht sein und wir ziehen los, wieder 1,5km zurück zum Beginn unserer Etappe am Hafen in Arild.

Auf dem Weg nach Skäret geht es mit starkem Wind an der Küste entlang. Immer wieder  Dörfer mit einem kleinen Hafen und an den Felsen blüht der Fingerhut. Manchmal sieht es so aus, als hätte jemand einen Garten angelegt, so perfekt ist die Gestaltung der Natur. Dann steigen wir hoch, schauen runter auf das brausende Meer, sehen Surfer, die sich in die Wellen wagen wollen. Durch Heidelandschaft und abgeblühte Maiglöckchenfelder geht es wieder runter an die Küste und durch eine Schafherde, die hier mir direktem Blick aufs Meer im Schlaraffenland lebt.

In dem kleinen Dorf Skäret stehen auch moderne Häuser und schauen aufs Meer. Ich werde nicht schlau daraus, ob sie als Feriendomizile oder Langzeitbleiben genutzt werden. Der Weg führt wieder durch Wald, auch hier sind schmucke Häuschen versteckt. Dann wandern wir mit grandiosem Panorama am Hang entlang - es ist einer der schönsten Abschnitte des Weges bisher.  Am ehemaligen Steinbruch blühen die Seerosen, der See kommt unvermutet und bietet am Ufer ein Platz zum Grillen. Svanshall hat ein Restaurant, aber auch das sieht zu aus, überhaupt begegnen uns kaum Menschen auf diesem Stück des Kullaleden.

In Jornstorp machen wir Pause mit Blick auf das schaumgekrönte Wasser, das Geräusch der Wellen begleitet unser Ausruhen. Praktischerweise gibt es hier in jedem Ort, meist am Hafen, manchmal aber auch am Ortseingang, öffentliche, saubere Toiletten.  Ein Horde Schulkinder sitzt am Hafenbecken, ihre Schwimmwesten leuchten orangerot. Als sie zurück in die Schule aufbrechen wird es mit einem Schlag ganz ruhig. Jetzt sind es noch 11 Kilometer bis zum Ziel in Utvälinge.

Auf dem Weg nach Farhult geht es erst durch Pinienwälder am Strand entlang, dann erscheint wieder ein riesiges Naturschutzgebiet, das sich über die Ebene erstreckt. Kein Baum, kein Strauch. Der Umweg, den wir deswegen in Kauf nehmen müssen ist genauso groß und führt uns teilweise über das Weidegebiet der Kühe, dann über eine Hängebrücke und zu einem ehemaligen Schießstand. Am Weg findet sich dort auch eine Schutzhütte, die Platz für mindestens 20 Personen bietet, Grillkohle inklusive.

Farhult hat einen sehr schönen Sandstrand, wir ziehen die Schuhe aus und laufen im weißen Sand. Kein Mensch ist zu sehen, das Dorf wie ausgestorben. Scheinbar ist unser Zeitpunkt Mitte Juli gut gewählt und die Massen haben den Strand noch nicht erobert. Als wir das Dorf verlassen, sehen wir eine Kirche im Niemandsland - der Glockenturm will nicht so recht zum Rest passen. In der Ferne sind Kühe auf der Landzunge zu beobachten und wieder breitet sich eine Ebene vor uns aus. Alles ist so ruhig, nur der Wind braust um uns herum.

Endspurt nach Utvälinge. In Norra Häljaröd stoppen wir noch einmal, um uns im hübschen Café Albertsgarden mit Süßem zu stärken. Wir sind alleine dort und bekommen viererlei süße Teilchen und einen Kaffee aus dem Pot - herrlich! Wir sitzen im Innenhof, die Sonne scheint, wir strecken die Füße aus, wissend, dass jetzt nur noch 1,3km zum Ziel vor uns liegen. Dann laufen wir in Utvälinge ein. Ernüchterung macht sich breit: Und jetzt soll plötzlich alles rum sein? Wenn meine Blasen nicht wären, ich könnte noch Tage an der Küste so weiterwandern. Nie war es langweilig, nie haben wir gewusst, was uns erwartet, wenn wir um die nächste Ecke biegen. Der Weg war abwechslungsreich und landschaftlich wunderschön. Es gab Passagen im Sand, an der Küste, über Felsen, durch Dörfer, meist auf Wiesenpfaden ohne einmal an der Straße laufen zu müssen Ein sehr gut beschilderter Trail, der das Prädikat "Leading Quality Trail" wirklich verdient hat. 

Der Rückweg mit Bus und Bahn nach Helsingborg ist reine Formsache.

In Helsingborg angekommen reicht es nur noch für einen Einkauf im Supermarkt, um schwedisch zu cornern, dann fallen wir in die Koje und pflegen die Füße. Unser Rückweg am nächsten Morgen geht dieses Mal über Dänemark mit der Fähre nach Helsingor und dann weiter über die Insel Fünen. Dieser Weg hat Lust gemacht auf weitere "Leading Quality Trails" (da gibt es noch einen in Portugal...) oder aber weitere Teile des schwedischen Skaneleden-Weges zu gehen.

Fazit: Ich würde wahrscheinlich das nächste Mal versuchen nach Malmö zu fliegen und dann mit der Bahn nach Helsingborg zu fahren, denn der Weg über die Brücken und mit dem Schiff ist nicht nur sehr zeitintensiv, sondern auch teuer (Schiff und Brückenmaut ca. Euro 140,-- auf beiden Wegen). Und ich empfehle ihn wärmstens allen Möchtegernwanderern.

Infos zum Kullaleden unter: http://kullaleden.se/de/

Kommentar schreiben

Kommentare: 0