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Geschichten von der Grenze - Niederlande

Die Geheimsprache Henese Fleck

Winfried Sieben lacht oft und gern, wenn er über das "Henese Fleck" spricht. Er ist stolz darauf, als einer von zehn Menschen noch das Krämerlatein zu sprechen. Als Geheimsprache wird es gern bezeichnet, sicherlich auch deshalb, weil man als "Normalsprechender" kein einziges Wort versteht. Aber dafür ist es einfach zu lernen - nur 350 Wörter bilden durch Kombination untereinander einfach gestrickte Sätze. Die Händler nutzten die Sprache schon vor 300 Jahren, um ihre Waren zwischen Deutschland und den Niederlanden zu verkaufen. So sind es auch im Wesentlichen landwirtschaftliche Begriffe wie "Jronkwöölese" und  "Kraakmoon", die sich in der Sprache finden. Wer also Kartoffeln oder Ochsen über die Grenze bringen wollte, kam gleich mit den "richtigen" Menschen ins Gespräch. Breyell ist ein kleiner Stadtteil von Nettetal in Nordrhein-Westfalen. Hier krähen noch Hähne und läuten Kirchturmglocken. Die niederländische Grenze ist keine zehn km entfernt und Venlo in Holland auf der A61 in zwanzig Minuten zu erreichen. Die Nord-Süd-Achse war auch vor 300 Jahren für Händler interessant, das könnte ein Grund für die Entstehung der Sprache sein - da kann Winfried Sieben jedoch auch nur mutmaßen. Der vitale Rentner und seine Frau Anneliese haben sich ihr Häuschen fürs Alter erst mit fünfzig gebaut, dafür aber genau für sie passend. Der Blick geht durch das große Fenster hinaus in den Garten. Die Sammel-Kaffeekannen stehen in einer Reihe auf dem Regal, an der Wand ein Kreuz und die Hochzeitsfotos der Kinder. Bei Siebens gibt es Kaffee und Kekse, die Osterhasen stehen noch auf dem Tisch.  Winfried Sieben erzählt, gefällt sich gut in der Rolle der Minderheit, die noch eine Geheimsprache kennt. Einmal im Monat trifft sich die eingeschworene Gemeinde der "Geheimsprachler", um sich zwei Stunden lang auszutauschen und das auf Henese.

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